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KI – wie Kommunikative Intelligenz – Renzo Cicillini

KI muss nicht künstlich daherkommen, sondern kann ganz praktisch das Ergebnis menschlicher Erfahrung sein.
Erfahren Sie mehr über gute Kommunikation von Profis in der Medienarbeit, die hautnah selbst erfahren haben, wie es geht – in meinem neuen Blog „KI – wie Kommunikative Intelligenz“

Drei Fragen – dieses Mal an: Renzo Cicillini, Head of Communications and Site Marketing Visp, Communications Lonza AG

Ihr habt bei Lonza in Visp die Sache mit dem Quecksilber letzten Endes kommunikativ ganz gut gemanagt, was würdest Du heute trotzdem anders machen?

Bei einem solch anspruchsvollen Kommunikationsdossier würde ich heute möglichst frühzeitig einen externen Coach beiziehen. Dies insbesondere aus zwei Gründen:

Das Tagesgeschäft muss weiterhin bewältigt werden, da kann die zusätzliche Person entlasten, indem sie sich gezielt auf das Dossier konzentriert. Zweitens kann die externe Unterstützung helfen, den Kopf etwas zu heben und damit eine ganzheitlichere Sicht einzunehmen. In der externen Kommunikation würde ich – auch wenn die ganzen Trends heute auf die digitalen Medien abzielen – die bewährte Live-Kommunikation nicht ausser Acht lassen. Heisst, regelmässige und unkomplizierte Veranstaltungen mit der Bevölkerung und anderen Interessensgruppen durchführen. Zum Beispiel ein Informationsapéro zusammen mit dem lokalen Management. Das macht es auch einfacher für den, der da vorne steht und schwierige Fragen beantworten muss. Aber genau das zeigt, dass man die Themen ernst nimmt. Das bringt Vertrauen. Wir haben mit diesen, auf den ersten Blick einfachen Instrumenten, bewusst gearbeitet. Sie haben sich gut bewährt.

Muss man im Wallis eigentlich eine andere Kommunikation aufsetzen als in der Zentralschweiz?

Die Regeln von der Kommunikation sind meines Erachtens überall gleich: man muss sich möglichst gut vorbereiten, Ziele setzen, die Stakeholder identifizieren, richtig einordnen und mit adäquaten Massnahmen bedienen. Wichtige Einflussfaktoren sind natürlich auch die Grösse und damit die Bedeutung eines Unternehmens im Zielgebiet. In unserer Region spielen die lokalen Medien nach wie vor eine wichtige Rolle, darunter auch die französischsprachigen Gebiete.

Was vermisst Du bei Journalisten, wenn Sie über Industriethemen berichten am meisten?

Online-Medien oder Radio wollen schnelle Geschichten und hinterfragen manchmal nicht. Hier leidet teilweise die Qualität. Schlussendlich ist es aber unsere Aufgabe, komplexe Fragen möglichst einfach und bildhaft zu beantworten. Damit es ein 14-jähriger versteht und wir auch unsere Botschaften rasch platzieren können. Wir müssen nicht die Journalisten hinterfragen, sondern wir müssen uns die Frage stellen, wie wir unsere Ansprechpartner bei den Medien möglichst gut bedienen können. Es kann nicht sein, dass sich die Journalisten mit einer komplex verfassten Medienmitteilung lange auseinandersetzen müssen, um diese erstmal zu verstehen. Wenn man ihnen zudem eine gute Geschichte erzählen kann, mit der sie den Inhalt der Medienmitteilung verknüpfen können, sind sie offen für eine faire Berichterstattung.

Vor fünf Jahren hattet ihr in Visp eine Restrukturierung mit einem Stellenabbau, nun gehört ihr zu den 20 grössten Unternehmen in der Schweiz mit einem Rekordgewinn. Mit welchen Instrumenten arbeitet ihr intern in der Change-Kommunikation?

Einerseits gibt es natürlich die klassischen Kommunikationsmassnahmen, um Etappen der Veränderung zu kommunizieren. Um ein Instrument von vielen hervorzuheben, sei hier das Storytelling erwähnt. Ein gutes Werkzeug. Das vereinfacht Komplexität. Die letzten sechs Jahre waren geprägt von Veränderungen: Ein Unternehmen, das restrukturiert werden musste, mit schwierigen Rahmenbedingungen. Heute steht Lonza als Börsengewinner 2017 mit einem Rekordergebnis in der 120-jährigen Geschichte gut da. Am Standort in Visp werden grosse Investitionen getätigt und mehrere hundert Stellen aufgebaut. Das ist der Stoff, aus dem spannenden Geschichten heraus erzählt werden können. Unsere internen Leitsätze sind längst zu Erfolgsfaktoren geworden. Als Botschaften ziehen sich dann wie ein nachvollziehbarer roter Faden durch unsere Kommunikationsmassnahmen.