«Nach gefälschtem Covid-Zertifikat: Patrick Fischer als Nationaltrainer entlassen» (Tagi) – Diese Schlagzeile erschien nur einen Tag nach Patrick Fischers offiziellem Geständnis. 2022 hatte er sein Covid-Zertifikat bei den Olympischen Spielen in Peking gefälscht.
Die Covid-Zeit stellte die Gesellschaft und jeden Einzelnen vor grosse Prüfungen. «Wir werden uns viel zu vergeben haben.» (Jens Spahn) Einer der treffendesten Sätze aus der damaligen Zeit.
Wer Tat und Wort von Patrick Fischer beurteilen will, sollte das Verhalten von der Kommunikation trennen. Zur Kommunikation:
Der Nationalcoach Patrick Fischer lehnte die Impfung ab. Als Begründung nannte er seine Loyalität zum Team. Er liess seine Mannschaft ungern im Stich. Das wirkt nachvollziehbar, aber gleichzeitig widersprüchlich.
Die Aussage appelliert an Teamgeist und Loyalität. Das sind klassische Werte im Sport. Trotzdem verliert Patrick Fischer an Glaubwürdigkeit. Er brach mit der Fälschung des Covid-Zertifikats bewusst die Regeln. Eine Notlage rechtfertigt dieses Handeln keinesfalls. Er brachte damit unberechenbare Risiken nicht nur für sich, sondern ebrn auch für die ganze Mannschaft, ja sogar für die Schweiz.
Glaubwürdigkeit der Entschuldigung
Die Entschuldigung wirkt aufrichtig, überzeugt aber nicht vollständig. Der Satz „Es tut mir sehr leid, wenn ich mit dieser Situation Menschen enttäuscht habe“ zeigt Reue. Das Wort „wenn“ schwächt die eigene Verantwortung jedoch ab und wirkt defensiv. Ein klares Eingeständnis der Schuld klingt anders.
Körpersprache und Tonfall im Video stärken die Glaubwürdigkeit durch eine direkte Ansprache und ruhige Präsentation. Doch der späte Zeitpunkt und das Motiv mindern diesen Eindruck erheblich. Patrick Fischer wartete lange bis zu diesem Geständnis. Er ging wohl erst an die Öffentlichkeit, weil Recherchen von SRF und der öffentlich bekannt gewordene Strafbefehl Druck ausübten.
Schadensminimierung durch das Video
Das Video minimiert den Schaden nur mässig gut. Die Darstellung seiner persönlichen Notlage macht Patrick Fischer menschlicher. Er betont positive Motive wie Teamloyalität. Trotzdem schafft er keine volle Transparenz. Er lässt Details zum Vorgang und zu den in Kauf genommenen Konsequenzen weg. Das bietet Raum für Spekulationen.
Was folgt daraus?
Erstens: Ein Geständnis in Verbindung mit einer Entschuldigung hilft meistens. Das garantiert jedoch keine öffentliche «Ent-Schuldung». Ein spätes Handeln als blosse Reaktion auf Druck verschlechtert die Situation zusätzlich, erst Recht als öffentliches Vorbild.
Zweitens: Eine öffentliche Entschuldigung sollte inhaltlich-sprachlich und in der Art der Vortragsweise konsequent stimmig oder besser gar nicht erfolgen.
Drittens: Mediale Berichte, die moralische Werte und Normen bespielen, entfalten oft eine unvorhersehbare Dynamik. Das muss bedenken, wer öffentlich dazu Stellung beziehen will oder muss.
So revidierte schliesslich Swiss Ice Hockey die ursprüngliche Aussage, da der Verband die Angelegenheit voreilig für abgeschlossen erklärt hatte und wohl erst nachträglich die Tragweite erkannte.
Patrick Fischer zahlt mit dem unrühmlichen Ende einen hohen Preis für seine damalige Entscheidung. Er, aber auch wir alle, können daraus lernen. Das Leben geht weiter – auf und neben dem Eis.

Meine kurze Stellungnahme am 14.5.2026 bei Radio Central, Podcast Sportstudio, in der Ausgabe 12.45 Uhr