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KI – wie Kommunikative Intelligenz – Andreas Nagel

KI muss nicht künstlich daherkommen, sondern kann ganz praktisch das Ergebnis menschlicher Erfahrung sein.
Erfahren Sie mehr über gute Kommunikation von Profis, die hautnah selbst erfahren haben, wie es geht – in meinem neuen Blog „KI – wie Kommunikative Intelligenz“

Drei Fragen – dieses Mal an:  Andreas Nagel, Leiter Kommunikation der Stadt St. Gallen

1. Eine Regierung ist zwar dem Kollegialitätsprinzip verpflichtet aber inhaltlich längst nicht immer einer Meinung. Welche Rolle spielt da ein Medientraining für einen abgestimmten öffentlichen Auftritt?

„In der Regel spricht ein Regierungsmitglied zu einem Thema, das zuständige eben, und gibt die Meinung des Gremiums wieder, die sich bekanntlich nicht mit der eigenen decken muss. Insofern muss nicht „abgestimmt“ werden. Es gilt, was entschieden wurde. Das beste Medientraining nützt wenig, wenn ein Regierungsmitglied nicht in der Lage ist, Mehrheitsentscheide seiner Behörde als solche zu akzeptieren und entsprechend zu vertreten. Da spielt  die Frage nach der Eignung für ein Exekutivamt die grössere Rolle. Letztlich ist es nichts anderes als transparent, auch gegenüber den Medien zu erklären, dass hart um einen Entscheid gerungen wurde. Das schafft genauso Glaubwürdigkeit. Und die zu vermitteln ist nicht zuletzt Ziel eines Medientrainings: Authentisch bleiben, unangenehmen Fragen nicht ausweichen, Botschaften platzieren. Ein Medientraining kann diesbezüglich wertvolle Impulse liefern.“

2. Was nutzen trainierte und orchestrierte Medienauftritte der Regierung den einzelnen politisch Verantwortlichen, die ja alle auch eine eigene Agenda haben?

„Aus einer Regierung einen verschworenen Haufen machen zu wollen, das schafft hoffentlich kein Medientraining. In der Regel wählt das Volk Persönlichkeiten  mit Ecken und Kanten, die sich mit zunehmender Regierungsdauer zugunsten der Sache zwar abschleifen können, aber die Grundhaltungen sollten bleiben. Regierungen vertreten nicht im gleichen Ausmass wie Parlamente die politischen Mehrheiten in der Bevölkerung, aber annähernd. Insofern hat das schon seine Richtigkeit, wenn mitunter Uneinigkeit im Gremium herrscht und der allenfalls mehrheitsfähige Kompromiss gesucht wird. Da gibt es nichts zu orchestrieren, sondern trotz der eigenen „Agenda“ Federn zu lassen und anschliessend die „beste“ Lösung zu präsentieren. Das darf die Öffentlichkeit von einem Regierungsmitglied erwarten. Solisten haben in Exekutiven einen schweren Stand, sind bei Medien naturgemäss aber sehr beliebt. Ein Orchester ist gut, wenn es zusammenspielt. Ob das in einem Medientraining geübt werden kann, wage ich zu bezweifeln. Das hat mit Streitkultur und Charakter zu tun.“

3. Wie sichern Sie die Nachhaltigkeit solcher Trainings ab?

„Zunächst indem man sie regelmässig wiederholt. Dann braucht es ein Monitoring, welches der schlechten Aufnahme in den Medien konsequent nachgeht und daraus Learnings ableitet. Warum wurde das Kommunikationsziel verfehlt, welche Aussagen sind falsch angekommen? Welche nasty questions wurden vergessen? Darüber hinaus müssen ehrliche Feedbacks seitens der Kommunikationsverantwortlichen möglich sein, was wiederum eine Vertrauensbasis voraussetzt. Man muss einem Regierungsmitglied sagen dürfen, dass es an einer Medienkonferenz ziemlich neben den Schuhen gestanden ist und es sich nicht über die schlechte Berichterstattung wundern darf. Aber es liegt nicht immer nur an schwachen Kommunikationsleistungen seitens der Exekutiven, auch Journalisten haben nicht nur gute Tage. Dann dürfen Kommunikationsverantwortliche auch einmal mitfluchen. Und wenn’s gut war, nicht einfach zur Tagesordnung übergehen, sondern das Loben nicht vergessen.“

Wieder etwas erfahren.
Vielen Dank an Andreas Nagel, Leiter Kommunikation der Stadt St. Gallen