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Die Leichtigkeit des Auftritts der SiegerInnen

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Rösti und Baume-Schneider waren emotional, charmant, unorthodox»

Elisabeth Baume-Schneider wirkte quirlig, Albert Rösti strahlte über das ganze Gesicht: Was sagt Auftritts- und Rhetorik-Coach Oliver Schroeder über die Wirkung der neuen Bundesräte?

Quelle: Bluewin.ch/8.12.2/Stefan Michel

«Meinen Kunden würde ich abraten, so unvorbereitet ein Interview zu geben, wie ich das jetzt mache», schränkt Oliver Schroeder ein. Der ehemalige TV- und Radio-Journalist arbeitet seit 16 Jahren als Auftritts-Coach und Medientrainer.

Namen nennt Schroeder keine, aber er begleite namhafte Persönlichkeiten aus Unternehmen, Regierungen und Organisationen mit einem auf Führungskräfte ausgerichteten Kommunikations-Coaching.

Vor dem Gespräch mit blue News betont Schröder, er habe die Auftritte von Baume-Schneider und Rösti nicht analysiert, sondern nur am Fernsehen geschaut, «wie so viele andere Schweizerinnen und Schweizer auch.» Was er über die Präsenz der frisch gewählten Bundesrätin und des amtsjüngsten Bundesrats sagt, ist also lediglich sein erster Eindruck.

Wie haben Elisabeth Baume-Schneider und Albert Rösti kurz nach der Wahl auf Sie gewirkt?

«Ich fand die Auftritte von beiden sehr gelungen. Sie zeigten eine emotionale, positive, glückliche, ja unorthodoxe Reaktion auf das Wahlergebnis. In Zeiten mit so vielen Problemen, vor denen Regierungen stehen, finde ich es besonders schön, wenn Menschen mit so viel Freude und Energie Verantwortung übernehmen.»

Zuerst wählte das Parlament Albert Rösti. Was sagen Sie zu seinen ersten Auftritten als Bundesrat?

«Mir scheint, dass er mit seiner sympathischen, nahbaren Art viele Menschen angesprochen hat – auch jene, die nicht aus seinem politischen Lager kommen. Ich denke, dass er so auch weiterhin das Vertrauen von Leuten gewinnen kann, die keine SVP-Anhänger sind.

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Was ist Ihnen bei Elisabeth Baume-Schneider aufgefallen?

«Es gibt eine Aussage, die auch medial herumgereicht wurde: Elisabeth Baume-Schneider sagte in der Medienkonferenz, sie sei zwar charmant, sie könne aber auch sehr ernsthaft sein. Das finde ich aus zwei Gründen bemerkenswert. Erstens hat sie das in der gleichen quirligen Art gesagt, wie sie sonst aufgetreten ist. Zweitens frage ich mich, ob es diesen expliziten Hinweis von ihr wirklich gebraucht hat.»

Wie meinen Sie das?

«Indem sie darauf hinweist, impliziert sie, dass man ihr die Ernsthaftigkeit absprechen könnte. Ich hätte ihr nicht empfohlen, das so ausdrücklich zu betonen. Das ist aber eher eine Randbemerkung und schmälert ihren Gesamteindruck kaum.»

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Können ein 55-Jähriger und eine fast 59-Jährige frischen Wind in den Bundesrat bringen?

«Ob jemand frischen Wind bringt, hängt nicht von seinem Alter ab. Das ist eine Frage des Mindsets, der Sozialisation und der Frische im Kopf.»

Wie gut passt Elisabeth Baume-Schneider mit ihrer quirligen Art in das steife Protokoll von Staatsanlässen?

«Sie ist schon lange im politischen Geschäft. Und würden die Parlamentsmitglieder sie nicht für fähig halten, hätten sie sie wohl auch nicht gewählt. Sie muss den Beweis noch erbringen, dass sie ihr Auftreten als Bundesrätin dem jeweiligen Anlass anpassen kann. Aber ich bin überzeugt, das wird ihr gelingen.»

Wie können Bundesrätin Baume-Schneider und Bundesrat Rösti ihre Kommunikation verbessern?

«Ich erteile keine Ratschläge, ich entwickle mit meinen Kunden gemeinsam ihre Kommunikation. Aber ich kann sagen, was gute Kommunikation eines Bundesrats ausmacht: Es geht darum, in der Kommunikation authentisch zu bleiben und gleichzeitig der Rolle gerecht zu werden, Orientierung zu geben und Zuversicht zu vermitteln. Bundesrätinnen und Bundesräte sollten trotz aller Unterschiede zwischen ihnen eine gemeinsame Sicht vermitteln. Die Konkordanz sollte sich in der Kommunikation wiederfinden. Trotz unterschiedlicher politischer Herkunft.»